Spruch des Tages: Willst Du schnell reisen, reise alleine. Wenn Du weit reisen willst, reise mit anderen.
Am Nachmittag startete unsere Kleingruppe zu unserer lang herbeigesehnten Reise ans Okavango-Delta. Der Haustürtransfer brachte uns zum Flughafen, wo unser Flieger gegen 22:00 Uhr (mit Zwischenstopp in Addis Abeba) Richtung Victoria Falls Airport abhob. Der Flug war recht angenehm, auch weil das Flugzeug nicht voll besetzt war.
Spruch des Tages: Ein Kind, das nicht weint, stirbt auf dem Rücken der Mutter.
Der Ethiopian Airlines-Flieger landete pünktlich in Victoria Falls. Nachdem die Gebühr für das „Double Entry“-Visa für Simbabwe mit den unkonventionell lockeren Grenzbeamten ausgehandelt war, konnten wir in das erste Land unserer Rundreise einreisen. Valentinus, unsere örtliche Reiseleitung, sowie Marius, unser Busfahrer, erwarteten uns bereits. Wir konnten zum ersten Mal unseren spektakulären Expeditionstruck mit unserem Gepäck beladen.
Die Fahrt führte zum wunderschön gemütlichen Hotel „Bayete Guest Lodge“ in einer ruhigen Wohngegend der Stadt Victoria Falls. Nach einer kurzen Pause wartete bereits eine Sehenswürdigkeit von Weltrang auf uns: die Victoria Falls, die zweitgrößten Wasserfälle der Erde. Die topographische Lage der Fälle macht sie zu einem unvergesslichen Erlebnis, das auch weitgereiste Globetrotter ins Schwärmen bringt: Auf einer Länge von 170 Metern fällt das tosende Wasser in eine Erdspalte von etwa 50 Metern Breite, die bis zu 100 Meter tief ist. Durch den gewaltigen Überdruck am Grund steigt aus der riesigen Spalte ein Sprühnebel auf, der besonders in der wasserreichen Winterzeit bis zu 400 Meter in die Höhe steigt. Das Ganze wird dann noch von märchenhaft schönen Regenbogen umrahmt. Wer das nicht erlebt hat, kann sich nichts vorstellen!
„Mosi-oa-tunya“ – „Donnernder Rauch“ nannten die Kololo dieses Wunder der Natur.
Der Missionar und Forscher David Livingstone machte die Victoria-Fälle durch seine Reiseberichte weltweit bekannt. Hier eine kurze Biographie dieses ungewöhnlichen Mannes, der trotz Stotterns und eines verkrüppelten Arms ein Held seiner Zeit war:
David Livingstone (1813-1873) war ein schottischer Missionar, Arzt und Afrikaforscher, der zu den bekanntesten Entdeckern des 19. Jahrhunderts zählt. Geboren in ärmlichen Verhältnissen in Blantyre, Schottland, arbeitete er bereits als Kind in einer Baumwollfabrik. Durch Selbststudium erwarb er sich Bildung und studierte später Medizin und Theologie. 1840 ging er als Missionar der London Missionary Society nach Südafrika.
Livingstone unternahm mehrere bedeutende Expeditionen durch das südliche und zentrale Afrika. Seine wichtigsten Entdeckungen waren die Viktoriafälle am Sambesi (1855), die er nach Königin Victoria benannte, und die Erforschung des Sambesi-Flusses. Er war der erste Europäer, der Afrika von Küste zu Küste durchquerte (1854-1856).
Berühmt wurde auch seine letzte Expedition (1866-1873) zur Suche nach den Nilquellen, bei der er jahrelang verschollen war. Der amerikanische Journalist Henry Morton Stanley fand ihn 1871 am Tanganjikasee mit den legendären Worten: „Dr. Livingstone, I presume?“
Livingstone starb 1873 in Afrika an Malaria und Ruhr. Seine afrikanischen Begleiter brachten seinen Körper über 1.500 Kilometer zur Küste, damit er in England bestattet werden konnte. Er liegt in der Westminster Abbey begraben. Als überzeugter Gegner der Sklaverei dokumentierte er deren Grausamkeiten und trug zu deren Abschaffung bei. Sein Vermächtnis ist jedoch umstritten, da seine Expeditionen auch den europäischen Kolonialismus in Afrika beförderten.
Spruch des Tages: Wende Dich der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.
Früh um neun Uhr machten wir uns Richtung Grenze Botswana auf. An der Grenzstadt Kasane bekamen wir es zum ersten Mal mit der Maul- und Klauenseuche zu tun, die in diesem Land für so manches Hindernis bei der Migration von Tieren, aber auch für uns Touristen sorgt. In unserem Fall mussten wir alle Schuhe sowie die Reifen des Busses desinfizieren. Gott sei Dank wurde auf eine Inspektion unseres Kühlschranks seitens der Gesundheitsbehörde verzichtet, da die Beamtin „too lazy & not in the mood to do this“ war.
Das Virus ist leider endemisch und breitet sich von Zeit zu Zeit immer wieder unter den Wild- und Zuchttieren aus, was gravierende negative wirtschaftliche Folgen hat.
Nachmittags kamen wir an der Elephant Sands Lodge an. Nach einer kurzen Pause ging es dann mit kleinem Gepäck und Geländetruck weiter in die angrenzende Salzpfanne zur Fußpirsch. Unser Guide Kabo gab uns zunächst Gamaschen zum Schutz gegen Dornen, Äste oder auch kleine Tiere und eine Sicherheitseinweisung. Schon nach kurzer Zeit wurde es ganz ruhig in der Gruppe, da zwei Elefanten auftauchten. Es ist schon etwas ganz Besonderes, vollkommen ungeschützt diesen größten Landlebewesen in freier Wildbahn zu begegnen. Aber auch die Informationen zur Golden Orb-Web Spider oder den vielen Termitenhügeln waren sehr interessant. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang kamen wir an der Eco-Lodge mit ihrem großen Wasserloch an.
Mittlerweile war es kalt geworden, und nach dem Abendessen und einem Schlummertrunk suchten alle die Wärme in ihrem Bett.
Spruch des Tages: Fehler sind wie Berge: Man steht auf dem Gipfel der eigenen und sieht nur die der anderen.
Nach einer kalten Nacht (5 Grad Celsius) trafen wir uns mehr oder weniger durchgefroren schon früh zum Frühstück, da heute eine weite Strecke bis nach Maun vor uns lag. Trotz kalter Hände und Füße war die Stimmung gut, und in der Hauptlodge erwarteten uns bereits Valentinus und Marius, die in der Eco-Lodge am Vorabend keinen Platz mehr gefunden hatten.
Unterwegs, während eines unserer vielen „Buschi, Buschi“-Stopps, machten wir unser erstes Gruppenfoto bei einem prächtigen Baobab-Baum. Die Baobab-Bäume sind für die Einheimischen magisch, da sie sehr widerstandsfähig sind und bis zu 800 Jahre alt werden können.
Die Legende vom umgekehrten Baum: Der Baobab war einst ein sehr eitler Baum, der sich ständig mit anderen Bäumen verglich. Er beneidete die Palme um ihre Eleganz, den Feigenbaum um seine süßen Früchte und den Flammenbaum um seine prächtigen Blüten. Die Götter wurden seiner Eitelkeit überdrüssig und pflanzten ihn kopfüber ein, damit er demütiger werde.
Direkt an der A3 zwischen Nata und Maun machten sich drei Elefanten an einer Wasserleitung zu schaffen. Die klugen Tiere sind wahre Experten im Aufspüren von Wasser. Sie haben zum Beispiel einen außergewöhnlichen Geruchssinn: Elefanten können Wasser über mehrere Kilometer Entfernung riechen. Ihr Rüssel enthält etwa 40.000 Muskeln und ist extrem sensibel für Wasserdampf und Feuchtigkeit in der Luft. So bleibt keine Wasserleitung lange unentdeckt und wird bei Bedarf einfach gekapert.
Nach der Ankunft in der Maun Lodge wurde die Gruppe samt Gepäck auf drei Geländewagen verteilt. Trotz der Sonne war jeder über seine Jacke froh, da der kühle Fahrtwind auf den 80 Kilometern bis zum Shokomoka Adventure Camp im offenen Wagen für sehr frische Verhältnisse sorgte.
So konnten wir bereits auf dem Transfer in die Gomoti-Region unsere Guides Bizu, Bodoka und B.K. kennenlernen. Bei der Ankunft an der Lodge wurden wir mit Gesang und Tanz vom Team sowie dem „King of Botswana“ begrüßt.
Das Shokomoka Adventure Camp liegt inmitten der wunderschönen Flusslandschaft des Gomoti Rivers, sehr versteckt im Südosten des Deltas. Diese privilegierte Lage bietet direkten Zugang zu einem der besten Wildtiergebiete Botswanas. Das Konzept zielt darauf ab, eine echte Verbindung zur Natur zu schaffen, ohne auf grundlegenden Komfort zu verzichten.
Nach der wohlverdienten heißen Dusche gab es ein leckeres Abendessen zusammen mit unseren Guides. Durch das sehr freundliche und offenherzige Personal fühlten wir uns gleich wie zu Hause in der Wildnis.
Bereits um 05:30 Uhr wurden wir an unseren Zelten abgeholt, um früh mit der Safari beginnen zu können. Wie wichtig die Eskorte zum Zelt in der freien Wildnis ist, zeigten die frischen Spuren eines Leoparden, der nachts im Camp unterwegs war.
Nach einem Express-Frühstück fuhren wir gegen 06:00 Uhr Richtung Büffel-Zaun (Maul- und Klauenseuche) und weiter zum Südtor des Moremi Game Reserve. Es war noch bitterkalt an diesem Morgen, und jeder hatte alles Wärmende angezogen, was im Koffer zu finden war. Erst nach einiger Zeit zeigten sich die ersten größeren Wildtiere wie Giraffen oder Elefanten. Auch den Wildtieren war es offensichtlich erstmal zu kalt, und sie mussten sich in der Sonne erst aufwärmen.
Beim Frühstücken auf freiem Feld wurden wir von einigen Elefanten aus der Ferne beobachtet. An die Nähe von wilden Tieren sollten wir uns in den nächsten Tagen noch gewöhnen.
Ganz nah kamen wir nach dem Frühstück einem Löwen, der wohl auch gerade ausgiebig gefuttert hatte. Verraten hatte ihn eine Schar Geier, die seine Beute entdeckt hatten und über ihr kreisten. Das wunderschöne Tier ließ sich aus nächster Nähe fotografieren, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen. Es war schon bemerkenswert, dass unser Guide Bodoka den prächtigen Löwen samt seiner gut versteckten Beute im Dickicht finden konnte.
Das Mittagspicknick gönnten wir uns an einem Zufluss des Gomoti Rivers in perfekter „Out of Africa“-Umgebung.
Nicht lange mussten wir nach der Pause auf die nächsten Tiere warten. Eine große Herde Büffel, viele Giraffen, Zebras und immer wieder Elefanten konnten wir bestaunen. Die Verabschiedung aus dem Moremi Game Reserve übernahm nochmals eine kleine Elefantenherde.
Das Abendessen wurde vom Team der Lodge sehr lecker zubereitet, und wir wurden bestens betreut. Für manche Familienmitglieder wurde es gegen Morgen vor und über ihrem Zelt etwas unruhig, weil sich ein Pavian mit einem Leoparden zankte.
Nach dem Frühstück und einer herzlichen Verabschiedung fuhren wir zurück nach Maun. In der zweckmäßigen Maun Lodge waren wir dann wieder in der Zivilisation angekommen und konnten uns mit einem Mittagessen stärken. Während der Fahrt zu unserem Rundflug über das Okavango-Delta gab es noch den überfälligen Spruch des Tages:
Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
Die Familie wurde für den Rundflug auf drei Flieger verteilt. In Cessnas überflogen wir die überwältigende Flusslandschaft des Okavango und sichteten diesmal die Herden der Büffel, Antilopen und Elefanten aus der Vogelperspektive.
Am Abend gab es in der Maun Lodge das Abendessen vom Buffet. Da die Bar nur noch wenig zu bieten hatte, gingen wir ohne diesen Umweg zu Bett.
Spruch des Tages: Es kommt nicht darauf an, wo Du bist, sondern was Du tust, wo Du bist.
Schon geübt im Frühaufstehen, trafen wir uns bereits um 07:00 Uhr zum Frühstück und waren nach einem kurzen Briefing über unsere Reiseroute von Valentinus kurz nach 08:00 Uhr wieder „on the road“.
Heute hatte Marius – unser überaus freundlicher und immer gut aufgelegter Busfahrer – seine schwierigste Aufgabe vor sich: 380 Kilometer auf einem Highway, der entweder gar nicht mehr zu erkennen war oder nur noch aus Schlaglöchern bestand. Gut, dass unser Expeditionstruck es wegsteckte und auch unsere Bandscheiben ohne Schäden die Fahrt überstanden.
Schnell waren die Strapazen der langen Fahrt vergessen, als wir am Nachmittag in der Shakawe-Region angekommen waren und einen Seitenarm des Okavango erreichten. Einige Männer einer örtlichen Kooperative entführten uns auf Einbäumen, den sogenannten Mokoros, in die Welt der Wasserlilien, Papyrus- und Binsengräser. Wir glitten fast lautlos durch eine ruhige, friedliche, fast märchenhaft wirkende Wasserwelt.
Nachdem wir uns von den netten Männern, die uns auf ihren kleinen Booten voller Stolz ihre paradiesisch schöne Heimat zeigten, verabschiedet hatten, fuhren wir zur Shakawe River Lodge und freuten uns dort über die wunderschöne Lodge mit ihren komfortablen Bungalows, die direkt am Okavango-Fluss gelegen waren.
Da wir, wie im Shokomoka Camp, die einzigen Gäste waren, wurden wir wieder ganz besonders freundlich umsorgt, und auch das Essen war sehr lecker.
Spruch des Tages: Korrigiere nicht mit einem Schlag das, was Du mit einem Kuss lehren kannst.
Für die Fahrt zu den Tsodilo Hills (1.488 m), die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, bekamen wir von Absolut Tours einen Ersatzbus gestellt, da die „Straße“ dorthin noch schlechter war als die Tags zuvor. Die schlechte Zufahrtsmöglichkeit hatte aber den Vorteil, dass sich trotz dieser Top-Sehenswürdigkeit kaum jemand dorthin verirrte und wir fast ganz alleine diese teils jahrtausendealten Felsmalereien der San-Buschmänner bestaunen konnten.
Die Hügel beherbergen über 4.500 Felsmalereien, was sie zu einer der dichtesten Sammlungen von Felskunst in Afrika macht. Die Felskunst datiert von der Steinzeit bis ins 19. Jahrhundert.
Für die wenigen heute noch lebenden Buschmänner sind diese Berge auch heute noch ein heiliger Ort, wo sie ihrem Gott Gaoxa huldigen und die Felsmalereien ihrer Vorfahren die spirituelle Kraft von Elenantilopen, Giraffen und Nashörnern zum Ausdruck bringen.
Am Nachmittag war bis zu unserem Bootsausflug auf dem Fluss Entspannung angesagt. Wir genossen die Sonne und die wunderbare Aussicht und beobachteten mit Respekt Krokodile und Flusspferde, die sich am Ufer in der Sonne wärmten oder im Fluss unterwegs waren.
Während der Bootsfahrt in den Sonnenuntergang auf dem Okavango bestaunten wir Krokodile, Warane und viele Vögel. Als Höhepunkt lockte unser Guide einen Seeadler mit Fischködern an, und wir konnten den majestätischen Vogel aus nächster Nähe beobachten, als er den Köder im Flug aus dem Wasser fischte. Als die Sonne dann langsam hinter dem Horizont verschwand, wurde es ganz still auf unserem Boot, und jeder staunte für sich über die Magie der Sonnenuntergänge in diesem Teil von Afrika.
Beseelt von dieser Stimmung genossen wir das gute und zuvorkommend servierte Abendessen. Am wärmenden Lagerfeuer tauschten wir danach bei dem obligatorischen Gin Tonic unsere Erlebnisse des Tages aus.
Spruch des Tages: Sag dem Krokodil erst, wie hässlich es ist, wenn Du den Fluss überquert hast.
Schon wieder mussten wir an diesem Morgen von einem liebgewonnenen Ort in aller Frühe Abschied nehmen. Um 09:00 Uhr hatte Marius wieder die gesamte „Bagage“ an Bord, und wir überquerten alsbald die Grenze zu Namibia, um dann entlang des Caprivi-Streifens in Richtung Osten zu fahren.
Der Name Caprivi geht auf die deutsche Kolonialzeit zurück: Der deutsche Reichskanzler Graf von Caprivi erwarb 1890 diesen Landzipfel im Tausch gegen Sansibar im Rahmen des Helgoland-Sansibar-Vertrags. Die Vertragsverhandlungen führte Reichskanzler Leo von Caprivi. Ihm zu Ehren erhielt das grüne „Deutsch-Sambesiland“ im Nordosten des heutigen Namibias den Namen Caprivi-Zipfel.
Gegen 15:00 Uhr erreichten wir die schönste Lodge unserer Reise: die Namushasha River Lodge am Kwando River. Sie liegt malerisch auf einer Anhöhe über dem Fluss mit Aussicht auf die unberührte Landschaft mit ihren vielen Wildtieren. Die Zimmer waren ein Traum, und von der Terrasse aus konnte man in sicherem Abstand Krokodile, Moorantilopen, viele Vögel und immer wieder Nilpferde sehen, die mit ihren ganz faszinierenden Atemgeräuschen ganz besondere Nachbarn waren. Sie sind extrem gut an das Leben im Wasser angepasst und haben extrem große Lungen, die sie in sehr kurzer Zeit entleeren und wieder auffüllen können.
Während unserer Bootsfahrt am Nachmittag kamen wir diesen Tieren ein weiteres Mal sehr nahe, und abermals konnten wir uns an der vollendeten Schönheit der Wasserlilien nicht satt sehen.
Für eine Schrecksekunde sorgte ein drei Meter großer Krokodilgigant, der keine zwei Meter vom Boot entfernt – ohne Vorwarnung – vom Ufer ins Wasser schnellte. Nichts für schwache Nerven!
Vor dem Abendessen verabschiedete sich die Sonne mit diesem so betörend schönen Abendrot. Eigentlich zu schön, um wahr zu sein.
Spruch des Tages: Ein Nilpferd im Wasser und ein Politiker vor der Wahl sehen harmlos aus, können aber gefährlich werden.
Als der Tag erwachte, lag die Landschaft im Morgennebel, und die Vögel und Hippos lieferten die passenden Hintergrundgeräusche. Wie schön war es, dass wir in diesem Idyll den Vormittag frei hatten.
Am Nachmittag starteten wir von unserer Lodge erst mit Booten zum Parkplatz der hauseigenen Safari-Jeeps. Von dort ging es auf dem Landweg weiter in den Bwabwata-Nationalpark. Wie bei den vorangegangenen Safaris kreuzte kaum eine andere Gruppe unseren Weg, und wir hatten das Gefühl, den Nationalpark alleine für uns zu haben. Zebras, Impalas, Rappenantilopen, Kudus und ein vermeintlicher Leopard, der sich als starker Ast entpuppte, kamen uns vor die Linse. An der Hufeisenbiegung des Kwando-Flusses machten wir ein typisches Safari-Picknick mit kleinen Häppchen und dem obligatorischen Gin Tonic.
Ein einzelner Elefant stand weit entfernt am Fluss, und beim Betrachten dieses atemberaubend schönen Fleckchens Erde, intensiviert durch die Wirkung des Gin Tonic, wähnte man sich wie bereits im Paradies angekommen.
Auf dem Rückweg tauchte urplötzlich eine größere Herde Elefanten in unserer Nähe auf. Und schnell war uns wieder bewusst, dass dieses Paradies auch seine Gefahren hatte: Aus der Perspektive eines Elefanten, der zwischen uns und seiner Herde stand, waren wir eine Gefahr für die Elefantenfamilie, und so trompetete der graue Riese zum Angriff und zeigte uns mit seinem Scheinangriff, dass wir schleunigst diesen Bereich verlassen sollten.
Gut, dass der Guide uns schnell aus der Gefahrenzone brachte, und mit diesem Erlebnis war wieder für ordentlich Gesprächsstoff gesorgt.
In wunderschönem Ambiente genossen wir das Abendessen auf der Terrasse, und die Belegschaft erfreute uns noch mit ihrem traditionellen Gesang und Tanz.
Wie immer bestens auf den kommenden Tag von Valentinus vorbereitet, machten wir uns um 08:00 Uhr auf den Weg zur Grenze von Botswana. Das heutige Ziel war der Chobe-Nationalpark, der für seine große Elefantenpopulation bekannt ist.
Überrascht von den vielen Menschen am Empfang im Cresta Mopane Hotel stellten wir fest, dass wir hier an einem von Touristen wesentlich frequentierteren Ort angekommen waren, als wir es gewohnt waren. Das ist sicher durch die Nähe der weltbekannten Victoria Falls und der schönen Landschaft des Chobe mit seinen vielen Tieren geschuldet.
Nach einer kurzen Verschnaufpause machte sich ein Teil der Familie auf, um dem Nationalpark einen ersten Besuch abzustatten. Unser Safari-Guide Mbala war sehr erfahren und wusste uns die schönsten Plätze zu zeigen, die an diesem Nachmittag erreichbar waren. Das Safari-Erlebnis war zunächst durchwachsen, da viele andere Geländewagen unterwegs waren (in denen überraschend viele weibliche Guides am Steuer saßen). Mit der Zeit gewöhnte man sich an die vielen Autos, so wie sich offensichtlich auch die Tiere schon lange an die vielen Touristen gewöhnt hatten. Es war unglaublich, wie nahe man zum Beispiel an Elefanten heranfahren konnte und diese sich nicht aus der Ruhe bringen ließen. Die großen Elefantenherden waren es auch, die uns unten am Fluss am meisten begeistert hatten. Viele Dutzend Tiere mit ihren verspielten Babies inmitten dieser einzigartigen Landschaft.
Auf der Rückfahrt zur Lodge stoppte Mbala kurz vor Kasane an einem Aussichtspunkt, und wir konnten abermals einen dieser magischen Sonnenuntergänge miterleben.
Das Speiselokal des Hotels hatte leider den Charakter einer Kantine, und deshalb zogen wir uns nach dem Abendessen recht früh auf unsere Zimmer zurück, zumal am nächsten Tag ganz früh am Morgen die nächste Pirschfahrt anstand.
Nach einem Coffee/Tea to go starteten wir auf unsere letzte Morgenpirsch. Alle waren gespannt, welche Tiere wir heute Morgen zu sehen bekommen würden. Laut Mbala wären besonders Raubkatzen am Morgen unterwegs, und das machte uns und viele andere Pirschfahrer begierig. Aber der erste Blick über den Chobe River in der schönsten Morgenröte, die man sich vorstellen kann, ließ uns erstmal alles vergessen. Wie in einem Film marschierten die Flusspferde behäbig ins Wasser – Afrika wie aus dem Bilderbuch!
Und tatsächlich kamen uns eine halbe Stunde später zwei Löwinnen und ein Löwenbaby auf der sandigen Piste entgegen. Was für majestätische Tiere! Leider hatte sich die frohe Botschaft unter den Guides schnell herumgesprochen, und immer mehr Toyotas erreichten den Ort der Begierde. Das war den Löwen dann schnell zu viel, und sie verabschiedeten sich und zogen sich ins Gebüsch zurück.
Impalas, Giraffen, Puku-Antilopen und Kudus waren danach aus nächster Nähe zu sehen, und ein Elefantenbulle kam total cool fast „hautnah“ an unseren Geländewagen heran.
Nach einer kurzen Rast an der „Chobe-Safari-Autobahn“ fuhren wir allmählich wieder zurück. Jetzt war Zeit, sich etwas zu erholen und die Einrichtungen des Hotels zu nutzen. Trotz seiner Größe hatte das Hotel ein schönes Ambiente und war sehr schön am Fluss gelegen.
Um 14:45 Uhr trafen wir uns, um unsere letzte Flussfahrt dieser Reise zu unternehmen.
Zuvor musste uns Valentinus über zwei gravierende Änderungen für den letzten Tag informieren: Wegen eines Krankheitsfalls, für den er einspringen musste, konnte er uns nicht bis ans Ende dieser Reise begleiten, sodass wir uns am selben Abend schon von ihm verabschieden mussten. Außerdem gab es Probleme bei der Buchung mit den Heli-Flügen an den Victoria Falls, und es war nicht sicher, ob diese wie gebucht stattfinden konnten.
Zunächst hatten wir jedoch die Gelegenheit, die Büffel-, Nilpferd- und Elefantenherden vom Fluss aus zu bestaunen. Gott sei Dank ist der Chobe ein wirklich mächtiger Fluss, der an seinem nördlichen Ufer an Namibia grenzt, und deshalb verteilte sich der Ansturm der Ausflugsboote erstaunlich gut.
Das großzügige Boot hatte zwei Decks, sodass man auch aus etwas erhöhter Position dieses Tierparadies beobachten konnte. Die Elefanten- und Büffelherden waren mit ihrem Nachwuchs da, stillten ihren Durst und nahmen ein Bad im kühlen Nass. Dazwischen Krokodile, die durchaus auch mal einen Büffel angreifen und diese deshalb die schützende Nähe zu den Elefanten suchen.
Am Ufer waren wieder Warane zu sehen und weiter landeinwärts Giraffen und Antilopen.
Sehr schön war zum Abschluss wieder der Sonnenuntergang, den wir an Bord bewunderten, und danach mussten wir uns von den wilden Tieren Afrikas endgültig verabschieden.
Aufgrund der Reklamation von Valentinus bezüglich des bescheidenen Ambientes sowie des schlechten Services am Vorabend lud uns das Hotelmanagement als Wiedergutmachung zu einem Getränk ein, und wir hatten exklusiv Tische auf der schönen Terrasse oberhalb der Feuerstelle zum Abschiedsabendessen bekommen.
Das Buffet war als Braai angerichtet, und es wurde fleißig dafür gegrillt.
Bevor es zum Gaumenschmaus ging, musste die Familie aber noch die Abschiedsrede abwarten:
Sinngemäß sei diese hier wiedergegeben:
„Wenn aus Fremden Freunde werden…“
Eine wunderschöne Reise geht langsam zu Ende, die aus unserer Reisegruppe eine sehr harmonische Familie gemacht hat.
Schweren Herzens verlassen wir das wunderschöne südliche Afrika und schauen zurück auf die einzigartige Tierwelt, die uns als Bewunderer ihrer Schönheit Zutritt gewährt hat.
Auf traumhafte Flusslandschaften mit einer atemberaubenden Schönheit zu den Abend- und Morgenstunden.
Auf die freundlichen Menschen, die das Lächeln noch nicht verlernt haben.
Das Ganze möglich gemacht haben uns nicht zuletzt Valentinus und Marius, die unermüdlich für unser Wohl gearbeitet haben!
Marius hat mit sicherer Hand den Bus um Tausende von Schlaglöchern gesteuert und den Bus gewartet und sauber gehalten. Er war immer freundlich und bei bester Laune.
Lieber Valentinus nichts geschiet von alleine… Gepäcktransport zu den Zimmern, Ausflüge koordinieren, Tischreservierungen in den Hotels oder den Restaurants unterwegs. Besondere Wünsche wurden erfüllt, und viel Wissenswertes über Land und Leute hast Du uns erzählt.
Wir haben gespürt, wie sehr Du diesen Teil Afrikas liebst und dass Du Deinen Teil zu einer guten Zukunft beitragen willst.
Für das alles danken wir Euch!
Dazu der Spruch des Tages
Fremde sind Freunde, die man nur noch nicht kennt
Der Abend klang dann an der Bar mit Gin Tonic aus.
Spruch des Tages: Jeden Morgen erwacht in Afrika eine Gazelle. Sie weiß, dass sie schneller laufen muss als der schnellste Löwe, wenn sie am Leben bleiben will. Jeden Morgen wacht ein Löwe auf. Er weiß, dass er schneller laufen muss als die langsamste Gazelle, wenn er nicht verhungern will. Egal, ob man ein Löwe ist oder eine Gazelle: Sobald die Sonne aufgeht, muss man laufen!
Da wir an unserem letzten Tag noch einiges vorhatten, machten wir uns bereits um 08:00 Uhr auf den Weg, um die nahe Grenze von Simbabwe zu erreichen. Nach dem bereits vierten Grenzübertritt stellte sich die Familie zunächst beim Schalter für den Gesundheitscheck locker und gelassen an. Leider diesmal mit einer bösen Überraschung.
Die Offiziellen hatten bei Rosemarie einen Stempel von Panama im Pass entdeckt, den sie bei einem Tagesausflug während einer Kreuzfahrt im Jahr zuvor bekommen hatte. Damit war sie in Simbabwe verpflichtet, eine Gelbfieberimpfung zu haben, was sie vor der Reise vergessen bzw. nicht bedacht hatte. Der Vorgesetzte, der in aller Ruhe ein Ei pellte, klärte uns auf, dass Rosemarie in diesem Fall zurück nach Namibia müsste, sich impfen lassen und nach 14 Tagen könne sie dann einreisen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Inzwischen war auch Marius eingetroffen und machte uns deutlich, dass er besser alleine mit dem Beamten „verhandele“.
Mit einer Spende zur Förderung des internationalen Reiseverkehrs konnte Marius den Pass von Rosemarie doch noch vom ei-pellenden Vorgesetzten ohne Impfung erhalten, und wir alle waren sehr erleichtert und außerordentlich dankbar für das diplomatische Geschick von Marius.
Gegen 11:00 Uhr erreichten wir den Ort Victoria Falls und nach einer kurzen Pause im netten Einkaufszentrum „Elephant’s Walk“ starteten die verschiedenen Aktivitäten wie Adrenalin-Gleiten mit der Zip-Line über den Sambesi-Fluss oder den unverzichtbaren Heli-Flug über die Victoria-Fälle, der dank der Hilfe von Absolut Tours dann doch wie geplant durchgeführt werden konnte.
Ebenfalls ein Muss ist der „High Tea“ im 5-Sterne-Hotel Victoria Falls mit Blick auf die Victoria Falls Bridge. Für die Bauarbeiter dieser Brücke geht auch die Geschichte des Hotels zurück. Es gehört zu den 25 berühmtesten Hotels weltweit, und es geht dort sehr traditionell und „very British“ zu.
Das I-Tüpfelchen und gleichzeitig der Abschluss des Tages war das Abendessen im Restaurant „Lookout“. Das Lokal lag spektakulär direkt über der Schlucht des Sambesi, und wir hatten erneut einen wahnsinnig schönen Ausblick auf die Brücke und die dahinterliegenden Wasserfälle.
Zurück in unserem heimeligen Hotel Bayete nahmen manche noch einen Umweg über das „Wasserloch“ des Hotels und erreichten glücklich und um viele einmalige Erlebnisse reicher ihr Bett für die letzte Nacht.
Am Tag der Abreise hatten wir noch ein freudiges Ereignis zu feiern: den Geburtstag von Rosemarie. Das Hotel hatte den Tisch fürs Frühstück wunderschön für diesen Anlass dekoriert und sogar eine Geburtstagstorte für Rosemarie gebacken. Beschwingt durch ein Gläschen Sekt gratulierte die gesamte Familie und intonierte das „Happy Birthday“ dazu.
Nach dem Frühstück wurden die Koffer verladen, und wir traten die lange Reise nach Deutschland an.
Am nächsten Morgen erreichten wir Frankfurt, und an der Haustür war dann alles: „Fertig, Schluss, Aus, Vorbei“, um es mit den Worten von Valentinus zu sagen.
Fazit
Es war eine Wahnsinns-Reise, von deren Erlebnissen wir alle unser Leben lang schwärmen werden.
Danke an alle Familienmitglieder, dass ihr dieses Abenteuer möglich gemacht habt.
Euer Papa
Diese Reise wurde begleitet von:
Wolfgang Heinzmann
Begleiter